Der Einsatz von Schneeschleudern
Der Dampf-Rotary im Einsatz
Jedes Jahr im November wurde in Erstfeld der Dampf-Rotary Xrot von Staub gereinigt, gefettet, geölt und dann angeheizt. Durch einen Probelauf überzeugten sich die Depotwerkstätten in Erstfeld von der Einsatzfähigkeit der Schleuder. Zu diesem Anlass war jeweils auch der Eidgenössische Kesselinspektor anwesend.
In einem schneereichen Winter und bei grosser Lawinengefahr setzte man in Erstfeld beim Rotary ein Reservefeuer an, das heisst, der Kessel wurde angeheizt und warm gehalten.
Dies geschah jeweils auch mit der Schiebelok, einer D 4/4. Von 1913 bis 1966 übernahm eine C 5/6 diesen Dienst.
Der Dampfrotary Xrot 100 mit C 5/6 2975 in Göschenen an der Arbeit
Nach dem Abzug der letzten C 5/6 1965, besorgte jeweils eine Diesellok Bm 4/4 den Schiebedienst.
Musste der Rotary ausrücken, so wurden seine Mannschaft, und die der Schiebelok, durch den Depotchef aufgeboten.
Blick auf der linken Seite über den Kessel des Rotary |
Blick auf der rechten Seite über den Kessel des Rotary |
Blick aus dem Frontfenster des Rotary (Göschenen) |
Während der Fahrt zum Einsatzort machte der Heizer des Rotary Dampf.
Vorne auf dem Führerstand des Rotary fuhren der Bahnmeister und ein Vertreter des Depots (Depotchef, Stellvertreter, Oberlokführer oder Werkstättenchef) als verantwortliche Leiter mit.
Beim Lawinenkegel angelangt, begann die Schleuderarbeit.
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Der Dampfrotary Xrot 100 geschoben von der C 5/6 2975 beim Schleudern im Bahnhof Göschenen. |
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Mit dem grossen Handrad wurde der Schieber der Dampfmaschine auf Vor- oder Rückwärts gestellt. Der Rotary konnte den Schnee links oder rechts auswerfen, je nachdem, auf welche Seite man das Schleuderrad drehen liess.
Durch die Bewegung des Schleuderrades und durch den Widerstand des Schnees wechselten die Schaufeln des Schleuderrades selbständig ihre Einstellung (Patentiertes System nach Leslie).
Durch Öffnen des Regulators strömte der Dampf in die zwei Zylinder des Schleuderantriebes. Dieser begann sich zu drehen. Immer höher kletterte der Zeiger des Tourenzählers.
Wenn etwa 140 Touren erreicht waren, erhielt der Führer der Schiebelok mit einem Signal der Dampfpfeife den Befehl zum Schieben.
Je nach Schneehöhe betrug das Schiebetempo zwischen 10 und 30 km/h. Bis zu 3 m hohe Lawinenkegel konnte der Rotary in einem Arbeitsgang abtragen. Mit einer hohen Fontäne warf er den Schnee auf die Seite.
Oftmals zur Unfreude der Anwohner an der Strecke, welche sich mit dem Schnee im Garten oder gar mit eingeschlagenen Fensterscheiben konfrontiert sahen.
Hart war die Arbeit des Heizers. Viele Kilogramm Kohle schaufelte er jede Stunde in den Schlund der Dampfmaschine.
War der Lawinenkegel durchfräst, wurde zur letzten Station zurück- gefahren und das zweite Gleis in Angriff genommen.
Nach getaner Arbeit ging die Fahrt wieder zurück nach Erstfeld. Hier wurde der Rotary gereinigt und erneut betriebsbereit gemacht, für seinen nächsten Einsatz.
Jedes Jahr wurde der Dampf-Rotary immer noch für den schweren Ernstfall vorbereitet. Auch im November 1981 - leider zum letzten Mal - hatte er die Kesselprobe zu bestehen.