«Mumi»

«Die andere Seite»

Der Reiz, von der Nord- in die Südschweiz zu fahren und dabei den 15 Kilometer langen Gotthardtunnel im 125 km/h Tempo zu passieren, hat von seiner Attraktivität erfreulicherweise noch nicht viel eingebüsst.
Nur die Tatsache, dass es heute schneller (und sauberer) als zur Zeit der Dampflokomotiven vor sich geht, hat der Eisenbahnromantik etwas von ihrer Substanz genommen.

Jedenfalls ist die Frage, wie wohl das Wetter auf «der anderen Seite» sein möge, geblieben und manch ein Nordländer freut sich über die südlichen und wärmenden Sonnenstrahlen besonders dann, wenn es in der Nordschweiz kalt und regnerisch ist.
"S'esch au schön uf dere Siite" hört man denn auch oft als Kommentar in den Zügen Richtung Süden. Und mit Befriedigung nehmen die Reisenden Kenntnis von dem ihnen bevorstehenden, schönen Tag.

Als ein junger Führergehilfe eines Tages mit Lokführer Mumenthaler von Erstfeld nach Bellinzona unterwegs war, hiess ihn Mumenthaler kurz nach einem etwa 80 Meter langen Tunnel ausserhalb Biasca das Führerstandsfenster öffnen.
Er schaute überrascht hinaus, konnte aber nichts Aussergewöhnliches feststellen.
Den fragenden Blick quittierte Mumenthaler mit einem verschmitzten Grinsen und meinte lakonisch: "Gäll, s'esch au schön uf dere Siite ...?"

«Schaggi» Wilhelm konterte später, als er selber Führer war, mit dem Spruch gegenüber den fragenden Passagieren in Göschenen wie das Wetter im Tessin wäre: "Ja wissen sie, ich musste so schnell die Strecke hinauffahren, dass ich keine Zeit zum hinausschauen hatte."