«Mumi»
Der Schlaf des Gerechten
Wohl von niemandem erwartet man grössere Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit als von Leuten, die im Transportgewerbe tätig sind; der Lokomotivführer macht hier keine Ausnahme.
Wo der Lokführer fehlt, fährt kein Zug ab. Und wenn Tausende von Reisenden darauf warten.
Gerade in unseren Breitengraden ist es selbstverständlich, dass die Züge pünktlich verkehren und schon wenige Minuten Verspätung rufen bei gewissen Leuten (die es mit der Pünktlichkeit selber gar nicht so genau nehmen) Murren und Reklamieren hervor.
Kari Mumenthaler aus Erstfeld war auch einer dieser zuverlässigen Lokomotivführer, der seinen Dienst - der ja täglich wechselt - zur Zufriedenheit des Depotchefs immer pünktlich und rechtzeitig antrat.
Aber eines Tages passierte es halt doch. Der gute Kari Mumenthaler hatte sich richtiggehend verschlafen und wurde deshalb (wie das heute noch üblich ist) vor den Depotchef von Erstfeld zitiert.
Ein Lokführer habe sich nicht zu verschlafen, meinte dieser und wenn der Dienstantritt auf halb drei Uhr in der Früh angesetzt sei, komme man nicht erst gegen fünf Uhr in das Depot, donnerte der Dienststellenleiter wortgewaltig.
Kari Mumenthaler nahm die Gardinenpredigt eher gelassen hin, und als sein Vorgesetzter endlich schwieg, meinte er: "Wissen Sie, Herr Depotchef, mein Verschlafen hat seinen ganz besonderen Grund. Ich hatte einen wunderschönen Traum, in dem ich träumte, ich sei Depotchef.
Und die können ja kommen und gehen, wenn es ihnen passt ..."