Vom Fahren und Bremsen
Verbotene Früchte - das muss man wohl nicht mehr speziell betonen - schmecken bekanntlich am besten. So ist das Bewegen und Fahren von Lokomotiven auch heute nur Leuten gestattet, die wirklich Lokomotivführer oder deren Vorgesetzte mit bestandener Lokführerprüfung sind.In früheren Zeiten gab es aber noch eine Reihe «Heizer», welche die normale Berufsbahn nicht einschlugen (konnten) und demzufolge «Heizer» blieben und nie Führer wurden.
Heizer Peyer im Depot Basel war so ein Mann, dem das Mundwerk etwas locker sass, und der bisweilen auch kein Blatt vor den Mund nahm.
Einmal hatte es ihm aber dennoch die Sprache verschlagen und das kam so: Ein Schaltwärter, der für das korrekte Remisieren der Lokomotiven im Depot verantwortlich war, bat den Heizer Peyer, eine A 3/5 Dampflokomotive um einige Meter zu verschieben, dass noch eine weitere Lok hinter ihr Platz finden würde. Peyer lehnte zunächst mit der Begründung ab, er sei Heizer und nicht Führer; er dürfe das nicht tun.
Der Schaltwärter konnte es aber nicht lassen und stichelte den Peyer an, dass er zwar ein recht haltloses und grosses Mundwerk besitze, aber nicht imstande sei, eine Lok ohne Führer einige Meter zu verstellen.
Das liess sich Peyer nun nicht ungestraft sagen, schwang sich auf die Lok und landete nach wenigen Metern Fahrt mit grossem Getöse und ohrenbetäubendem Krachen in der Grube der falsch stehenden Drehscheibe.
Ein aufgeregter Depotchef Mosimann war der erste, der sich mit einem erregten: "He Peyer, gopferdeckel was mached er au Cheibs?" nach dem Grund der auf Abwege gekommenen Lok erkundigte.
"Ich musste die Lok zwei Meter nach vorne verschieben", gab ein verdatterter Heizer Peyer bekannt, "aber ich habe es jetzt selbst erlebt: Fahren könnte ich jetzt von alleine, aber Bremsen noch nicht..... !"