Die Geschichte der Gotthardbahn

Die Personenwagen

Die Beschaffung des Rollmaterials für die Personenbeförderung lässt sich bei der Gotthardbahn-Gesellschaft in drei Gruppen einteilen.

Zweiachsige Personenwagen

Die Gotthardbahn hat sich von Anfang an bemüht, ihrem Reisezug-Wagenpark den bereits erwähnten repräsentativen Charakter zu verleihen und begüterten Reisenden einen hohen Komfort zu bieten.

So wurden im Jahre 1875 die 9 Wagen 1. Klasse A 1 - 9 bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft Neuhausen (SIG) bestellt.
(Wagen A 2 ist erhalten geblieben, Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.)

Das „Bedingungsheft zum Lieferungs-Vertrag“ enthielt unter anderem folgende Vorschriften:
§11 „Die Einteilung des Wagens ist so auszuführen, dass auf jeder Stirnseite des Wagens ein Coupé mit 6 Sitzplätzen und in der Mitte zwischen diesen beiden ein Salon mit ebenfalls 6 Sitzplätzen entsteht, worin ausserdem zwei Tischchen in geeigneter Weise zwischen den Sitzplätzen aufgestellt werden. Die Fenster sind mit Gegengewichten zu erstellen. Vertäfelung der Wände und Bekleidung der Decke und des Fussbodens bleibt wie bei den früher gelieferten Wagencoupé erster Klasse, im übrigen ist aber die Ausstattung im Innern eher etwas reicher und eleganter zu gestalten.“
Die Ablieferung hatte ungefähr 5 Monate nach Unterzeichnung der Bestellung für einen Teil in Chiasso und für den anderen in Locarno zu erfolgen. Für den Transport musste der gleiche mühsame Umweg über Italien gewählt werden, wie er im Kapitel für die Lokomotiven beschrieben wurde.

A 11 - 44

A 11 - 44

B 401 - 465

B 401 - 465

F 1 - 8

F 1 - 8, F 9 - 17

Die Fahrzeuge des Wagenparks aus den ersten Beschaffungsjahren für die Tessinischen Talbahnen und aus den Anfangsjahren des Betriebes auf der Hauptstrecke.
As51 Innenansicht

Innenansicht eines As

Den Höhepunkt im Komfortbewusstsein der Anfangszeit stellten die Salonwagen As 51 - 52 dar, welche im Jahre 1883 ebenfalls durch die SIG abgeliefert wurden.
Die Wagen erhielten 18 Sitzplätze, wovon je 6 in einem mittleren Salonabteil, in einem Aussichtspavillon und in einem sogenannten Nachtabteil (Sitze ausziehbar) untergebracht waren. Als Novum wurde ausser einem WC eine Toilette (Waschraum) eingebaut.
Der vorher durch die Maschinenfabrik Esslingen gebaute As 50 war weniger bekannt, da er bereits 1889 eine Umwandlung in einen Wagen 1. Klasse erfuhr.

E 2/2 4 mit einem Personenzug in Bellinzona

E 2/2 4 mit einem Personenzug in Bellinzona

Eine offene Seitengalerie zur Steigerung des Genusses der „grossartigen Landschafts- Szenerie“ erhielten auch die in den Jahren 1882 - 1883 beschafften 35 Wagen 1. Klasse mit der Bezeichnung A 10 - 44. Wobei in den A 25 - 28 Schlafcoupés hergerichtet werden konnten.
Anlässlich der Umwandlung der A 25 - 44 in die AB 125 - 144 im Jahre 1905 und der A 19 - 23 in die B 461 - 465 in den Jahren 1907 - 1908 wurde die Galerie belassen.

Da offenbar der Schutz gegen Rauch und Qualm der Dampflokomotiven dem Freiluftgenuss vorgezogen wurde, erhielten die 1888 beschafften AB 151 - 157 für den durchgehenden Verkehr von Frankfurt nach Genua einen geschlossenen Seitengang über die halbe Wagenlänge.
Die aus dem Jahre 1892 stammenden A 61 - 66 eröffneten ein neues Zeitalter, indem sie, wenn auch bei offener Plattform und in primitiver Form, Faltenbälge erhielten.

Den Abschluss der Geschichte der zweiachsigen Personenwagen bildeten die Bestellungen von 15 ABü 161 - 175 und von 10 C 971 - 980 in den Jahren 1903 - 1904.
Diese Bestellung erfolgte allerdings nur noch zur Erfüllung einer Forderung der SBB, in Hinblick auf die bevorstehende Verstaatlichung der Gotthardbahn im Jahre 1909.

Personenzug

Ein aus Zweiachsern bestehender Personenzug fährt aus dem Bahnhof Airolo aus und in den Gotthardtunnel ein.