Hintergrundkulissen

Zur Ergänzung April 2021
Auf dieser Seite möchte ich beschreiben, wie man seine Hintergrundkulissen selber herstellen kann, ohne eine besondere "künstlerische Ader" zu haben.

Vorerst eine Begriffsklärung:

Untergrund: Wand, Rückwand
Hintergrund: Basisgemälde, meistens Himmel
Kulisse: Gebäude, Wald, Wiese etc.
Kann auf der gleichen Ebene oder vor dem hintergrund liegen
Der Untergrund
Hier gibt es vom Material her keine Einschränkung. Von Beton über Holz bis Karton ist alles möglich.
Aus meiner Erfahrung würde ich aber empfehlen, auf jeden Fall einen weissen Untergrund zu wählen oder ihm eine weisse Grundierung zu verpassen. (Die Hintergrundfärbung verändert die Vordergrundfarbe!)
In die Wahl des Untergrundes muss auch die Frage einfliessen, wie weit seine Struktur das Bild beeinflussen wird. So konnte ich mich beispielsweise nicht damit anfreunden, den Hintergrund auf eine unverputzte Backsteinmauer aufzumalen. Auch auf eine Täferung würde ich den Hintergrund nicht direkt aufmalen. Hingegen ist die Struktur eines Verputzes oder einer Raufasertapete meines Erachtens eher tolerierbar.
Der Hintergrund
Hinter den Kulissen steht in vielen Fällen als Hintergrund ein „Himmel“.
Themenbild

Beinahe einfarbiger und wolkenloser, dunkelblauer Himmel


Ob dieser Himmel Wolken haben muss, darüber kann man sich füglich streiten.
Faktum ist einerseits, dass das Malen von realistischen Wolken sehr schwierig ist und wirklich nur etwas für „Könner“.
Andrerseits ist da die berechtigte Befürchtung, ein einfarbiger blauer Himmel könnte eintönig wirken.

Ich stelle in der Realität fest, dass einerseits gar nicht immer Wolken am Himmel zu sehen sind, und andrerseits ein unifarbener blauer Himmel durchaus vorkommt.

Oftmals zeigt der Himmel eine Farbveränderung von unten hellblau nach oben dunkelblau.
Oder er zeigt Wolken in Form von Schlieren in verschiedenen Farbtönungen zwischen (Hell-) Blau und Weiss.

Als Ausweichmöglichkeit bieten sich entsprechende „Wolken-Tapeten“ an, welche über sehr gut sortierte Malergeschäfte beschafft werden können.
Allerdings tritt auch hier durch die Wiederholung eine gewisse Eintönigkeit auf.
Die käuflichen Himmelshintergrunde der Hersteller von Modellbahnzubehör sind zwar sehr realistisch (Fotografien), aber sie haben für mich zwei Nachteile: sie sind mir zu knallig in den Farben und, was wichtiger ist, sie sind zu niedrig (Höhe). Ich habe mich für einen hellblauen Himmel mit weissen Wolkenschlieren entschieden, denn sie ist einfach umsetzbar und braucht keine speziellen künstlerischen Fähigkeiten.

Hellblau gefärbter Himmel
Hellblau gefärbter Himmel
Farbverlauf am Himmel
Farbverlauf am Himmel

Dabei bin ich so vorgegangen:
In einer (flachen, schmalen) Box wird weisse Dispersionsfarbe (matt!!) mit blauer Abtönfarbe eingefärbt. Ich habe mich dabei für ein helles Blau entschieden. Einerseits sieht es realistischer aus, andrerseits ist die Lichtreflektion höher.
Die Abtönfarbe wird bewusst schlecht eingerührt, so dass die Einfärbung vom einen Ende der Box zum anderen ungleich ist.
Mit einem schmalen (10 cm) Farbroller (Schaumstoff, Fell ergibt eine fleckige Struktur) wird die Farbe waagrecht !!! aufgerollt.
Dabei nimmt man bewusst in Kauf, dass stellenweise die Farbe nur minim auf den weissen Untergrund aufgetragen wird und das Untergrund-Weiss durchschimmert.
Auf diese Weise entsteht eine Himmelsstruktur, die einem natürlichen Himmel mit Wolkenschlieren sehr nahe kommt.
Entstehen durch das verschieden stark eingefärbte Blau zu starke Farbabstufungen, wird einfach so lange mit dem Roller (ohne neue Farbe) darüber gerollt, bis die harten Übergänge verschwunden sind.

(Hintergrund)-Kulissen

Vorbereitung:
Mit einer klaren Vorstellung, wie meine Hintergrundkulisse aussehen soll, mache ich mich auf die Suche nach passenden Fotos und Bildern.
Dieses Bildmaterial nehme ich in ein Zeichnungsprogramm auf meinem PC (Ich benutze PaintShop Pro) und mache mich an die Konstruktion des Hintergrundes (Querformat).
Dabei schneide ich die Elemente, welche ich benutzen möchte, aus den Originalbildern grob aus.
Dann bearbeite sie am Rande, indem ich alles Überflüssige wegschneide oder wegradiere. Nun bringe ich sie in die richtige Grösse (vergössern, verkleinern) und platziere sie dann in meiner Hintergrundkulisse.

Sollen Gebäude in die Hintergrundkulisse, dann ist die Perspektive zu beachten.
Dabei tauchen zwei wichtige Probleme auf:

Weil wir bei der Modellbahn eine Vielzahl von Betrachtungsstandorten und damit Fluchtpunkten haben, und weil es unmöglich ist, alle Gebäude so zu fotografieren, dass sie dieselbe Flucht haben, kann es für uns nur eine Lösung geben:

Keine Perspektive in der Hintergrundkulisse!

Wir fotografieren also die Gebäude frontal, und setzen nur Frontansichten in die Kulisse ein. Nur so entstehen keine Unstimmigkeiten durch verschiedene Fluchten und nur so spielt der Standort des Betrachters keine Rolle.

Ist die Hintergrundkulisse so, wie ich sie haben möchte, dann drucke ich sie mit dem Farbdrucker auf eine Hellraumprojektor-Folie aus.
(Sehr lange Kulissen müssen in Abschnitte aufgeteilt werden. Dabei sollen sich die Abschnitte beidseitig etwa 2 – 3 Zentimeter überlappen.)

Als Unterlage für die Hintergrundkulissen (teilweise auch für die Hintergrunde) nehme ich weiss beschichtete Kartontafeln in der Grössse 100 x 70 cm mit 1,5 mm Dicke.
Um das Bild auf meine Kartontafel zu bringen, benutze ich einen Hellraumprojektor. (Ausleihe in Schulhäusern, Schulungsräumen von Firmen etc.)

Ich befestige eine Kartontafel (provisorisch) an der Wand vor dem Hellraumprojektor. Dabei sollte sich die Mitte des Bildes etwa auf der Höhe des Umlenkspiegels des HP-Projektors befinden, da so am wenigsten Verzerrungen entstehen.
Nun wird der Projektor in Position gebracht und die Schärfe eingestellt. Die Distanz dürfte, etwa bei 1.50 Metern liegen.
Durch Verändern der Distanz zwischen Projektor und Karton wird die Grösse der Kulisse eingestellt. Dabei richtet man sich nach festen Grössen (Türhöhe, Fensterhöhe etc.).
Dabei darf man nicht vergessen, dass nach jeder Verschiebung die Schärfe wieder neu einzustellen ist. Das beeinflusst auch immer wieder die Grösse.
Wenn die Grösse stimmt, wird auch noch die Höhenlage des Bildes so angepasst, dass der untere Rand der Kulisse auf den unteren Rand des Kartons zu liegen kommt. (... oder, falls die Kulisse hinter der Anlage nach unten gezogen werden soll (Befestigung) mit einer entsprechenden Zugabe.)
Im weiteren Verlauf der Arbeit gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ich übertrage alle wichtigen Umrisse mit Bleistift auf den Karton und male dann frei nach, oder ich male jetzt direkt mit Wasserfarbe auf den Karton.
Ich mische beide Wege. Bei grösseren Flächen, oder bei schwierigen Stellen zeichne ich mit Bleistift vor und male dann. Ansonsten wird direkt in das projizierte Bild gemalt. Ich male übrigens nicht mit reiner Farbe, sonder ich nehme ziemlich Wasser mit hinzu. (aquarellieren)
So ergeben sich schönere Farbverläufe.
Die ganze Malerei ist insofern etwas schwierig, dass man sich am Anfang selber das Bild verdeckt. Allerdings hat man den Dreh sehr schnell raus, und dann kann man diesen Effekt sogar ausnutzen. Wenn man sich in den Projektorstrahl stellt, dann ist das Originalbild weg und man kann später die Wirkung des Bildes sehen. Auch den Vergleich der gewählten Farbmischung kann man so sehr einfach machen.
Da ich die Kulisse nicht direkt auf den Hintergrund (Himmel) male, bleibt mir jetzt noch die Aufgabe, die Kulisse den Umrissen nach auszuschneiden und auf dem Hintergrund zu befestigen.

Der Vorteil der hier beschriebenen Methode ist der, dass man als "künstlerischer Laie" keinerlei Probleme mit Formen, Proportionen und Farben hat.

Ergänzung

Seit der Erstellung des obigen Textes ist doch schon einige Zeit vergangen und ich habe weitere Erfahrungen gesammelt.
Kommt dazu, dass sich inzwischen die Technik weiterentwickelt hat.

Das aufwändige Verfahren mittels Hellraumprojektor und Folie kann mit Laptop und Beamer bedeutend einfacher gemacht werden:
– Bild am PC vor einem massstäblichen Bild der geplanten Wand entwerfen
– mit dem Beamer auf die Wand oder auf einen Karton mit weisser Oberseite projizieren.

Themenbild Diese Ecke soll ein Hintergrundbild erhalten.
Wegen der Backsteinmauer soll es auf einem Karton (2 mm) erstellt werden.
Das Eckbild soll auf zwei Kartonteilen in einer Fläche erstellt werden.
Also werden zwei Kartons gleicher Höhe mittels Klebeband auf der Rückseite verbunden.
Themenbild Für dieses Hintergrundbild am PC habe ich einen unifarbenen Himmel in hellblau gewählt.
Die Felder sind massstäblich zum späteren Original.
Themenbild Als Motiv wählte ich ein Fotografie der beiden Mythen mit der Holzegg.
Themenbild Mit Hilfe eines Sketcher-Programms wird das Bild in eine Mal-Zeichnungsform gebracht.
Das erleichtert später das Nachmalen ungemein.
Themenbild Nun wird das bearbeitete Bild vor den Hintergrund eingepasst (Eigene Ebenen).
In diesem Fall wollte ich die Mauerecke (Bruchkante) im Bild in der Mitte zwischen den beiden Bergen haben.
Wo notwendig werden noch Ergänzungen und Vereinfachungen angebracht.

Nachdem das Bild fertiggestellt ist, wird der Karton an passender Stelle an einer Wand befestigt.
Im nächsten Schritt werden die Bildgrenzen – dem hellblauen Himmel entsprechend – auf den Karton aufgetragen.

Nun fehlt noch der Beamer in vernünftiger Entfernung vom Karton. Um Verzerrungen zu vermeiden, soll die Beamer-Linse möglichst in der späteren Bildmitte liegen.
Jetzt Beamer an, die Grenzen des Bildes mit dem Rand auf dem Karton in Deckung bringen (Bildverzerrung am Beamer oben/unten, links/recht) und schon ist Alles zum Malen bereit.

Wichtig!
Beamer und Karton dürfen bis zum Abschluss des Bildes keinesfalls bewegt werden.
Die gleiche Position kriegt man nie mehr hin.

Themenbild Nachdem der Karton den Grenzen entlang zugeschnitten ist, kann das Bild an der Wand befestigt werden.
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