Der Bau von Modell-Gebäuden

Einige grundlegende Gedanken

Zum Anfang möchte ich über dieses Kapitel eine ganz wichtige Anmerkung stellen:

„Stimmigkeit“ entsteht nicht durch Masshaltigkeit am Modell im Bereiche der Hundertstel-Millimeter, sondern durch das richtige, passende Erscheinungsbild.

Dieses Ambiente können wir uns nur durch gutes Beobachten der Realität erschliessen. (Eine Digitalkamera kann hier als "Gedächtnis" sehr hilfreich sein.)

Ein Gebäudemodell muss nicht zwingend der massstäbliche Nachbau eines Originals sein. Vielmehr muss die "Ausstrahlung" eines Gebäudes zum entsprechenden Standort und zu seiner Funktionalität passen.
Das heisst nichts Anderes als:

Das Original müsste auch so aussehen und da stehen können, wie das Modell.

Die Standort- und Modellwahl

Beim Aufstellen von Gebäuden sind auf der Modellbahn einige wenige Punkte unbedingt zu beachten.
Der wichtigste dabei ist:

Anwesenheit und Aussehen eines Gebäudes müssen motiviert sein.

Das bedeutet, dass auf der Modellbahn ein Gebäude nur dann gut wirkt, wenn es auf der Modellbahnanlage
 • an einer bestimmten Stelle
 • in der gewählten Art und Grösse
stehen kann oder muss.

Beachten wir auch nur einen dieser beiden Aspekte nicht, dann wird uns beim Anblick eines Modellgebäudes in seinem Kontext immer etwas stören.
Auch hier ist das Original wieder der beste Lehrmeister! Ähnliche Situationen in der Realität können uns hier sicher weiterhelfen oder Ideen und Anregungen liefern.

Der Gebäude-Modellbau

Es gibt beim Bau von Gebäudemodellen mehrere Wege:
  1.  Zusammenkleben eines industriellen Bausatzes
  2.  Völliger Selbstbau nach Plänen im Modell-Massstab
  3.  Selbstbau unter Verwendung industriell hergestellter Teile

Für die Wahl eines industriellen Bausatzes spricht, dass die meisten der heute angebotenen Bausätze in den Proportionen massstäblich und deshalb durchaus einsetzbar sind.
Die Problematik liegt dort, dass selten einmal ein Bausatz genau unseren Bedürfnissen entspricht.

Der völlige Selbstbau ist einerseits nicht jedermanns Sache. Andrerseits sind Pläne von Gebäuden nicht immer erhältlich, und deren Umsetzung in den Modell-Massstab bedeutet einen grossen Zeitaufwand.

Als ideale Lösung bleibt uns somit der Selbstbau unter Verwendung industriell hergestellter Teile, das Kit-Bashing.
Der Begriff stammt aus den Reihen amerikanischer Modellbahner. Gemeint ist damit der "Selbstbau" eines Gebäudes auf der Basis oder mit Teilen eines Bausatzes (Kit).

Der industrielle Bausatz

Die meisten der heute angebotenen Bausätze sind in den Proportionen massstäblich und deshalb durchaus einsetzbar.
Um damit „Stimmigkeit“ zu erreichen, gibt es allerdings eine Regel zu beachten:

Belasse den Bausatz nie im Originalzustand.

Es gibt dafür zwei Gründe: Die Plastikteile der Bausätze glänzen und die Farbwahl der Spritzlinge entspricht selten der Realität.
Zwar haben sich die Hersteller inzwischen des Glanz-Problems angenommen und versuchen, grössere Flächen matt aussehen zu lassen. Trotzdem bleibt das Problem, vor allem bei Kleinteilen, bestehen.

Die minimalste Behandlung eines Bausatzes verlangt also mindestens einen Anstrich mit Mattlack. Da der Mal-Aufwand letztlich der Selbe ist, können wir mit einem Farb-Anstrich gleich auch das Problem der Farbgebung der Spritzlinge lösen.

Der vollständige Selbstbau

Für jene Gebäude, für die keine brauchbaren Bausätze angeboten werden, greife ich zum Selbstbau.
Dabei verzichte ich grösstenteils auf das Suchen der Originalpläne, sondern wende eine andere Methode an:

Kit-Bashing

Nach dem Fotografieren eines entsprechenden Originals versuche ich die Stimmung des Gebäudes aufzunehmen. Dann beginne ich, in den Katalogen der Hersteller einen passenden Bausatz zu suchen.
Oftmals passen auch nur Teile davon (Oberbau oder Unterbau).
Dann wird der Rest eben im Selbstbau hergestellt, manchmal auch unter Verwendung von Kleinteilen des Originalbausatzes (Fenster, Türen, etc.).

Meine Bauten "entsprechen" weitgehend konkreten Vorbildern.
Das heisst, sie sind als Kit-Bashings nicht getreue Kopien vorhandener Gebäude, sondern sie spiegeln den Stil solcher existierender Bauten wider.

Der Nachbau eines Vorbildes muss für mich, wie oben dargelegt, nicht sklavisch sein, sondern die Ausstrahlung des Modell-Gebäudes als Ganzes muss "stimmig" sein.
Bei den Modellen achte ich darauf, dass ihre Ausstrahlung derjenigen konkret vorhandener Gebäude entspricht.
Das Original müsste also auch so da stehen und aussehen können, wie das Modell.

Persönlich bevorzuge ich das Kit-Bashing. Die meisten meiner Gebäude entstehen auf diesem Wege.
Einige wenige erstelle ich aber auch im Selbstbau.

Der Zusammenbau von Gebäudemodellen

In den meisten Fällen halte ich folgende Reihenfolge und Vorgehensweise ein:

Das Anfärben von Gebäude-Modellen

Die Wahl der Farben
Gebäude benötigen im Gegensatz zu Fahrzeugen keine grosse Griff-Festigkeit. Das gibt mir die Möglichkeit, mit Wasser verdünnbare Acryl-Farben zu verwenden, wobei ich zum Anfärben die Farbe unverdünnt benutze.

Der Vorteil dieser Farben ist, dass einerseits bei einem „Betriebs-Unfall“ der letzte, noch nicht getrocknete Farbauftrag unter fliessendem Wasser abgespült werden kann.
Andrerseits können wir mit stark verdünnter Farbe problemlos „Lasuren“ (z. B. Verschmutzungen) auftragen.
Auch das Auswaschen der Pinsel und Mischtiegel kann problemlos erfolgen.
 

Das Anfärben
Wenn wir beim Anfärben einige Punkte beachten, wird das Ergebnis toll aussehen und uns Freude machen, auch wenn wir nicht eine ausgeprägt "künstlerische Ader" haben.

Bei Neu- und Renovationsbauten sind in der Realität bereits nach wenigen Jahren Verwitterungsspuren zu erkennen.
Zudem sind an älteren Gebäuden gleichmässige Farben selten.
Zu beachten gilt es folgende Punkt:


Als Pinsel benutze ich für Feinarbeiten Haar-Rundpinsel der Grössen 0 - 3, sowie einen der Nummer 5 für grössere Flächen.

Veraltern und verschmutzen
Zum Veraltern und Verschmutzen nehme ich stark verdünnte Farben aus den Bereichen Schwarz und dunkles Olive.
Wenn ich vorher kein oder nur wenig Blau benutzt habe, nehme ich zum Verschmutzen oftmals das Pinsel-Waschwasser.
Durch die Mischung vieler Farben entsteht zusammen mit Schwarz und Weiss ein ideales Braun-Grau.

Als Pinsel wähle ich hier einen flachen Haarpinsel in der Grösse 10 - 12. Wichtig ist, dass der Auftrag sehr flüssig sein muss.
Das Modell am Dach halten und das Schmutz-Wasser oben auftragen.
Die Schmutz-Farbe soll von oben nach unten fliessen.
Die Verschmutzung ist in der Realität unter dem Dachrand schwächer als weiter unten; zudem ziehen sich Schmutzspuren von Ecken und Kanten (Fenstersimse) nach unten.
Deshalb ist es richtig, dass das Schmutz-Wasser von oben nach unten läuft.
Am unteren Rand entstehen Wasserwülste. Diese tupfen wir mit dem vorher ausgedrückten Pinsel wieder auf.

Als Letztes erfolgt die Verschmutzung des Daches. Dies geschieht auf dieselbe Weise.
Haben wir das Dach nicht eingefärbt, dann sollte hier der Auftrag etwas weniger wässrig sein. (Ev. einen Tropfen Abwaschmittel ins Wasser zugeben, um ein besseres Verfliessen zu erreichen.)

Beispiele zu den obigen Ausführungen in der Rubrik "Anlage 5"
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