Erster Giruno auf den Namen "San Gottardo" getauft
Zum Nachtrag

Am 8. August 2019 wurde in Bellinzona der erste Giruno RABe 501 003 (93 85 0501 003-4) auf den Namen "San Gottardo" getauft.
Zusammen mit den Regierungsräten Cristian Vitta (Tessin), Mario Cavigelli (Graubünden) und Urban Camenzind (Uri) sowie CEO Andreas Meyer und dem Leiter Personenverkehr Toni Häne taufte die Leiterin der SBB-Region Süd, Roberta Cattaneo, den Triebzug auf den Namen San Gottardo (Sankt Gotthard).

Von den bisher bestellten 29 RABe 501 werden 26 auf den Namen eines Kantons der Schweiz getauft.
Sie erhalten alle im Speisewagen das Wappen der entsprechenden Kantonslok Ae 6/6.
Die restlichen drei Giruni erhalten die Namen Gotthard, Ceneri und Simplon.

Beim Gotthard stellte sich den SBB das Problem, dass es kein entsprechendes Wappen gibt.
Der Name "Gotthard" hatte nie einen bestehenden Erkennungspunkt.
Ursprünglich hiess der Passrücken "Mons Elvelinus", bei den Römern dann "Adula Mons".
Dieser Übergang wird um 1150 herum wichtig, weil es den Urnern gelungen ist, die Schöllenen mit Hilfe von Brücken begehbar zu machen und die Säumerei über den Pass ihren Anfang nimmt.

Der Name Gotthard taucht allerdings erst auf, nachdem im Jahre 1230 durch den Mailänder Erzbischof Galdinus zu Ehren des heiligen Godehard auf der Passhöhe eine Kapelle geweiht wird.
Andere Quellen sind der Meinung, dass bereits Jahrzehnte zuvor die Mönche des Klosters Disentis (Besitzer des Urserntales) hier eine Kapelle oder Unterkunft unterhielten und dort ebenfalls den Heiligen Godehardus verehrten.
Der hl. Godehard war Benediktiner und von 1022 bis 1038 der Bischof von Hildesheim. Er wurde im Jahr 1133 heiliggesprochen.

Die nun zusammen mit einem Heraldiker gewählte Lösung ist, zumindest für den Gotthard, hervorragend.

Sie zeigt in der rechten Hälfte ein Bild des heiligen Godehard, und links zwei Steinbrücken auf blauem Grund.

Diese Kombination ist äusserst symbolträchtig.
So wie der heilige Fridolin ins Glarnerwappen, passt auch der heilige Godehard hervorragend ins Wappen des Gotthard.
Auch die Brücken lassen sich hervorragend begründen:
So finden sich über Jahrhunderte Erwähnungen, welche die Brückenfunktion des Gotthards zwischen dem Norden und dem Süden Europas benennen.
Eine weitere Sybolkraft wäre möglicherweise in der "Teufelsbrücke" in der Schöllenen zu finden, welche untrennbar mit dem Gotthard verbunden ist.
Und nicht zuletzt ist es die Gotthardbahn selbst, welche mit ihren grossartigen Brückenbauwerken auf der Gotthard-Bergstrecke seit 1882 immer Beachtung fand.

Themenbild Bei seiner Ankunft im Bahnhof Arth-Goldau begegnete der RABe 501 003 seinem Vorgänger ETR 610 (links).
Themenbild Von rechts nach links:
Andreas Meyer SBB-CEO, Anton Häne, Leiter SBB-P, Roberta Cattaneo, Leiterin der SBB-Region Süd, Mario Cavigelli (RR-GR) und Urban Camenzind (RR-UR), Cristian Vitta (RR-TI) sind zum Taufakt vereint.
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Das neu kreierte Wappen "San Gottardo"

Themenbild Das im Speisewagen angebrachte neue Guss-Wappen wurde von Toni Häne enthüllt.
Themenbild Das neue Wappen für den San Gottardo im Speisewagen des RABe 501 003.
Ergänzung / Nachtrag

Inzwischen hat sich der Schöpfer des Wappens bei mir gemeldet und mir seinen Artikel, der die Entstehung dieses Wappens ausführlich beschreibt, zur Verfügung gestellt.
Er legt darin seine Überlegungen zur Neuschaffung des Wappens "Sankt Gotthard/San Gottardo" dar.

Dieser wurde im "Schweizer Archiv für Heraldik 2018" veröffentlicht.