Weichen-Klau auf der Gotthard-Bergstrecke.
Sparwut oder Taktik der verbrannten Erde?

Bezüglich der Gotthard-Bergstrecke tut sich hinter den Kulissen der SBB Erstaunliches.
Bereits seit Monaten befasst sich eine Arbeitsgruppe der SBB mit der Zukunft der Gleis-Infrastruktur auf der Gotthard-Bergstrecke.
In der Arbeitsgruppe vertreten sind alle betroffenen Betriebsbereiche der SBB.

Mir liegt eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe vor.

Ziel der Arbeit ist die Reduzierung der Erhaltungs- und Unterhaltskosten zwischen Erstfeld und Bodio im Umfang von 155 Millionen Franken.

Erreicht werden soll diese Kosteneinsparung durch verschiedene Massnahmen:

Zum letzten Punkt wird zusätzlich festgehalten, dass die Folgekosten bei den verschraubten Weichen durch das Entfernen von Teilen (Weichenherz, Antrieb etc.) vermindert werden können.
Durch das Ersetzen der Weichen durch Gleisjoche könnten diese Kosten sogar ganz vermieden werden.

Der Spurwechsel Gotthard-Nord soll für Bauarbeiten im Tunnel und für den Rechtsverkehr der Panoramawagen im Betrieb bleiben.
Die Weichenverbindungen 3/4 in Wassen und Rodi-Fiesso bleiben aus Sicherheitsgründen bestehen (Betrieb ZKE-Intervention).

Themenbild Gleisplan mit den zu verschraubenden / entfernenden Weichen und den damit verbundenen Gleisperrungen (rot).

Nach Meinung der Arbeitsgruppe entstehen folgende Fahrplanabhängigkeiten einzelner Bahnhöfe:

Bezüglich der Fernsteuerung – es geht um den Abschnitt Gottardo-sud (im Tunnel) bis Ambri-Piotta (ev. Rodi-Fiesso) – hat die Arbeitsgruppe scheinbar bedenken.
Durch den kurativen Unterhalt (Man repariert defekt gegangenes. Ein präventiver Unterhalt wird nicht gemacht.)rechnet man mit mehr Störungen bei den Anlagen.
Wird dieses Teilstück ferngesteuert, kann es nach Ansicht der Arbeitsgruppe bis zu einer Stunde dauern, bis entsprechendes Personal von Pollegio her vor Ort wäre.
Trotzdem empfiehlt die Arbeitsgruppe die Vollfernsteuerung für Airolo vor.

Fazit:

Einmal mehr wird SBB-seitig bei der Zukunfts-Planung der Gotthard-Bergstrecke auf den Tourismus und damit auf mögliche Extrafahrten mit historischen Fahrzeugen keinerlei Rücksicht genommen.

Dass die Leute von SBB-Historic einmal mehr nicht über die Realität informiert sind, überrascht wohl niemanden mehr.

Dass die in den 50-ger Jahren zur Betriebsbeschleunigung eingebauten Spurwechsel nicht mehr benötigt werden, liegt auf der Hand. Ihre Entfernung war zu erwarten.
Problematisch für einen touristischen Fahrbetrieb werden aber die weitergehenden Verhinderungen von Gleiswechseln in den Station.
Wer die Gotthardstrecke kennt und sich den Gleisplan oben anschaut, der wird mit mir einig gehen, dass die bei Extrafahrten mit speziellen Zügen üblichen touristischen Elemente wie Parallelfahrten, Scheinanfahrten und Fotohalte verunmöglicht werden.
Auch das Anfahren von Stationen und das Aussteigen der Passagiere für touristische Aktivitäten wird praktisch verunmöglicht. Der Zug kann nicht über einen längeren Zeitraum stehen bleiben.
Insbesondere in den Tunnelbahnhöfen Göschenen und Airolo wird es mit drei Gleisen sehr eng.
Die Anfahrt von mehreren Extrazügen gleichzeitig ist verunmöglicht.

Weshalb die Arbeitsgruppe, trotz ihrer Bedenken, den Ausbau der Fernsteuerung im Obertessin befürwortet, kann ich nicht nachvollziehen.
Ich habe da grösste Bedenken. Weil der erste Abschnitt im Tunnel ist, könnte bei einer Panne eine Situation eintreten, bei der die Leute weit über eine Stunde im Tunnel ausharren müssten, bis nur das entsprechende Personal (Zugverkehrsleiter) in Airolo eintreffen würde.
Der Abschnitt südlich von Stalvedro (im Bereich des Spurwechsels Sordo) führt einem klassischen Lawinenhang entlang. Im Winter könnte das bedeuten, dass die Passagiere bei einem Lawinenniedergang über zwei oder mehr Stunden im winterlichen Zug blockiert wären.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass die SBB mit allen Mitteln versuchen, die Gotthard-Bergstrecke so unattraktiv wie möglich. zu machen.
Es wäre ja schon blamabel, wenn ein anderes EVU einen funktionierenden Personenverkehr über die Bergstrecke zu Stande brächte.

Ich frage mich, wie der SBB-CEO Andreas Meyer seine Behauptung: "Die SBB nehmen auf der Gotthard-Panoramastrecke ihre touristische Verantwortung wahr!", endlich umsetzen will.