Zur Zukunft des "Krokodil-Denkmals" in Erstfeld, eine Lösung

Am Samstag, 2. Oktober 2010 informierte SBB-Historic im Depot Erstfeld über die Zukunft des Lokomotiv-Denkmals.

Das Krokodil Ce 6/8 II 14270 war 1982 als Ersatz für die Dampflokomotive C 5/6 2965 aufgestellt worden.
Diese wurde damals vom Depot Erstfeld aufgearbeitet und an das Verkehrshaus in Luzern abgegeben.

Peter Schneiter

Seitdem war die 14270 der Unbill der Witterung ausgesetzt.
In einem entsprechend schlechten Zustand präsentiert sich die Lokomotive heute.
Mit der Gründung von SBB-Historic im Jahr 2000, ging auch die Denkmallokomotive von Erstfeld in deren Bestand über.

Der bei SBB-Historic für das Rollmaterial verantwortliche Peter Schneiter, begrüsste die Anwesenden zur Information und wies darauf hin, dass für die Lokomotive in absehbarer Zeit eine Lösung gefunden werden müsse.
Der zu erwartende Kostenaufwand für eine einfache äusserliche Aufarbeitung dürfte sich auf 80'000 – 100'000 Franken belaufen.

In der Depotwerkstätte listete der Leiter des Historic-Teams Erstfeld, Ewald Berchtold, mögliche Lösungsszenarien auf.

Er schlug dabei einen Bogen mit Lösungsansätzen von „Versuch, in welcher Zeit eine Lokomotive biologisch abbaubar ist“ bis „die logische Reihenfolge von einer Dampflok C 5/6 über das Krokodil Ce 6/8 II mit einer Ae 6/6 fortsetzen“.
Er legte aber auch dar, dass sich einerseits durch den absehbaren Übergang des Depots Erstfeld von SBB-Cargo zu SBB-Infrastruktur die Lösungsfindung kompliziert. Andrerseits der „Verein für Industriegeschichte in Oerlikon“ Interesse für eine leihweise Übernahme des Krokodils zeigt und damit eine bisher nicht vorhandene Lösung anbietet.
Ewald Berchtold zeigte auf, dass ein realistischer Lösungsansatz nur im Spannungsfeld «SBB-Historic – Gemeinde Erstfeld – SBB-Infra – Partner Oerlikon» gefunden werden könne.

Er wies aber auch darauf hin, dass sich mit der Umnutzung des Depot-Areals und dem Ersatz des Lokomotiv-Denkmals ganz neue Möglichkeiten eröffnen würden. So könnte in Zukunft der „Denkmalsockel“ als fester Gleisanschluss ausgebildet werden. Dies würde eine Art Wechselausstellung, also das Austauschen der Denkmal-Lokomotiven ermöglichen.
Als erste „neue“ Denkmallok käme die in Erstfeld hinterstellte ehemalige Gotthard-Personenzuglokomotive Be 4/6 12332 in Frage.
In jedem Fall müsse in Zukunft die Denkmal-Lokomotive vor der Witterung geschützt hinterstellt werden.

Themenbild

Eine mögliche Kandidatin als Lokomotiv-Denkmal in Erstfeld ist die Gotthard-Lokomotive Be 4/6 12332.

Als Vertreter des „Vereins für Industriegeschichte in Oerlikon“ stellte Hans Jörg Käppeli das Projekt für den Erhalt der Ce 6/8 II 14270 vor.

Er legte dar, dass das Krokodil für Oerlikon einen grossen historischen Symbolwert hat.
Die ehemalige Maschinenfabrik Oerlikon MFO war die Geburtsstätte der Krokodile.
Die Montagehalle der MFO war damals ganz in der Nähe des vorgesehenen Standortes der Denkmallok.
Man sei sich durchaus bewusst, dass Erstfeld mit dem Weggang des Krokodils einen Verlust erleide, und biete deshalb auch Hand für eine gute zukünftige Lösung in Erstfeld.

Das Projekt sieht vor, die Ce 6/8 II 14270 von SBB-Historic als Dauerleihgabe zu übernehmen.
Die Maschine würde restauriert und dann in Oerlikon an zentraler Lage wettergeschützt und vandalensicher ausgestellt.
Mit Informationstafeln würde die Geschichte der Maschine dargestellt.
Weiter offeriert der Verein eine Mitfinanzierung eines noch zu planenden Witterungsschutzes für die zukünftige Denkmallok in Erstfeld.
Die Finanzierung des Projektes in der Grössenordnung von insgesamt 800'000 Franken ist bereits in Aussicht gestellt.

Als Vertreter der Gemeinde Erstfeld erklärte Werner Zgraggen, dass man anfänglich eine abwehrende Haltung eingenommen habe, aus dem Gefühl heraus, die SBB wolle Erstfeld nun auch noch die Denkmallok wegnehmen. Die nun angedachte Lösung fände allerdings Anklang, da damit auch eine Chance für Erstfeld bestehe, sich in Oerlikon ebenfalls präsentieren zu können.

Zum Schluss stellten Peter Schneiter und Hans Jörg Käppeli den zu erwartenden Zeithorizont für das Projekt Oerlikon vor:
- 2011 Wegnahme und Abtransport der Lok auf der Strasse, Aufarbeitung durch eine spezialisierte Firma
- 2011 Erstellen des neuen wettergeschützten Denkmalplatzes in Erstfeld in Absprache mit SBB-Infrastruktur
- 2012 Aufstellen der Lokomotive an ihrem neuen Platz in Oerlikon

Der endgültige Entscheid über das weitere Vorgehen bezüglich der Denkmal-Lokomotive in Erstfeld wird bei SBB-Historic in absehbarer Zeit fallen.

Mein persönliches Fazit aus diesen Informationen:

Eine Aufarbeitung der Denkmallok Erstfeld, Ce 6/8 II 14270, durch SBB-Historic kommt kaum in Frage, denn sie würde viel Geld an eine Maschine binden, welche zukünftig keinen Nutzen generiert. Für denselben Betrag kann jedoch eine weitere noch fahrbare Lokomotive mit den neuesten Sicherheitselementen (EMTS) versehen werden.
Die einzige vernünftige Massnahme wäre deshalb eine Verschrottung dieser Lokomotiv-Ruine in den nächsten Jahren.

Der nun angedachte Weg rettet einerseits das Krokodil, und finanziert andrerseits in Erstfeld eine zukunftsorientierte Lösung mit.
Damit ist den Bahnfreunden geholfen, durch den Erhalt eines weiteren Krokodils, und Erstfeld erhält im Gegenzug ein Lokomotiv-Denkmal mit Zukunft.