Zur Verlegung des Lokführer-Wechsels von Erstfeld nach Goldau

Ab April 2005 wollen die SBB mit neuen Zweistromloks auf der Strecke Cadenazzo-Luino fahren. Ab dann fällt der Lokomotivwechsel bei Güterzügen im Bahnhof Luino weg. Sie können dann ohne Halt zu einem der grossen Containerterminals in Galarate oder Oleggio in Oberitalien weiterfahren.

Dank dieser Neuerung in Oberitalien kann SBB-Cargo vier Fünftel ihrer Güterzüge am Gotthard schneller befördern.
Ab diesem Zeitpunkt kann SBB-Cargo gleichzeitig aber auch ihre Lokomotivführer anders und rationeller einsetzen.
Die Absicht von SBB-Cargo ist, im internationalen Güterzugsverkehr mit möglichst wenig Lokomotiven und mit möglichst wenig Lokführerwechseln auszukommen.

Einerseits auf Grund der Lage der Zielbahnhöfe in Oberitalien und Deutschland und andrerseits aus betrieblichen Überlegungen verlegt SBB-Cargo neu den Betriebswechselpunkt an eine entsprechend günstigere Position an der Gotthardstrecke.

Lokomotivführer dürfen aus Sicherheitsgründen höchstens fünfeinhalb Stunden lang im Führerstand stehen. Dann ist eine Pause und somit ein Führer-Wechsel angesagt.
SBB-C versucht nun, diese Wechselpunkte so zu legen, dass dem Güterzugsbetrieb auch bei einer allfälligen Verspätung noch eine gewisse Flexibilität bleibt.
Ab April wird deshalb erstmals der Lokführerwechsel an der Gotthardlinie nicht mehr wie bisher in Erstfeld und Bellinzona vorgenommen, sondern in Goldau.

Egal, wie sich der Markt bei diesen internationalen Direkt-Güterzügen zwischen dem Raum Köln und den Terminals in Oberitalien entwickelt, die SBB-Lokführer werden also in Zukunft ihre Arbeit in Goldau antreten und beenden.

Noch ist offen, wie viel Personal bis in einigen Jahren im Schwyzer Eisenbahnerdorf Goldau, statt wie bisher im urnerischen Erstfeld arbeiten wird.
Was die weitere Zukunft des Depots und der Werkstätten in Erstfeld anbelangt, ist diese noch nicht abzusehen.
Zwar kommunizieren SBB-Sprecher, dass es zu einer Verlegung des Depots Erstfeld mit seinen Reparatur- und Unterhaltsarbeiten an Lokomotiven nicht kommen werde. In Goldau solle auch nicht in entsprechende Bahn-Neubauten investiert werden.
Diese Aussagen stehen allerdings, zumindest teilweise, in krassem Gegensatz zur Ernennung des Depots Erstfeld zum „Historischen Depot von SBB-Historic“ und als „Aussenstation des Verkehrshauses“ in Luzern.

Die Notwendigkeit für eine Aufrechterhaltung der Anlagen und des Personals im Depot Erstfeld wird für den Betrieb der NEAT nur noch von marginaler Bedeutung sein.
Einzig für einen allfälligen Betrieb auf der Bergstrecke kann sich noch eine gewisse Funktionalität ergeben.
Wie die Zukunft der Bergstrecke nach Inbetriebnahme des NEAT-Basistunnels aussehen wird, liegt allerdings völlig im Dunkeln.

Siehe auch Geschichte: Zukunft der Bergstrecke