«S' erscht Freibillet»
Kaiserbesuch 1912. Als junger Techniker-Stift hatte Vater Hans Lengweiler von der Kreisdirektion II, damals noch in Basel, sein erstes Beamten-Freibillet. Das war natürlich ein Ereignis.Er packte ein Nachthemd und seine Zahnbürste in eine Papierschachtel und startete von Basel voller Erwartung mit dem Zug nach Bern, um den Kaiser zu sehen.
Eine unwahrscheinliche Hitze und ein fürchterliches Gedränge erwartete ihn dort. Um etwas zu essen und zu trinken reichte die Zeit nicht mehr aus. Egal. Geld hatte er ohnehin nicht in rauen Mengen. Zudem musste man doch unbedingt frühzeitig der Strasse entlang anstehen, um den Spektakel hautnah zu erleben.
Dies war nun doch zuviel. Der Stolz über das erste Freibillet, die grosse Reise nach Bern, all die vielen Leute und sogar noch den deutschen Kaiser zu sehen, war für die damalige Zeit etwas unerhörtes.
Die Hitze nahm immer mehr zu, das Gedränge wurde immer schlimmer und prompt fiel Hans in Ohnmacht.
Was dann passierte, entging seinem Bewusstsein. Auf alle Fälle wachte er auf dem nächsten Polizeiposten in dem Moment auf, als ein behelmter Polizist sich über ihn beugte.
"Gottfriedstutz d'r dütschi Kaiser", murmelte er und fiel erneut in Ohnmacht.
Der Kaiser allerdings war längst wieder abgereist.