Die Geschichte der Gotthardbahn

Zur Zukunft der Gotthard-Bergstrecke

Was wird mit der Strecke Erstfeld – Biasca nach der Eröffnung des Basistunnels geschehen?
Diese Frage scheint, zumindest zur Zeit, im Kanton Uri kaum jemanden gross zu interessieren. Kanton Uri = Politisches Territorium, an der Gotthard-Nordrampe

Auf den ersten Blick mag dies erstaunen. Versucht man der Sache aber auf den Grund zu gehen, muss man feststellen, dass das Thema Gotthardbahn für die Tourismusverantwortlichen Uris absolut kein Thema ist. Man liess in der Vergangenheit in Uri ein touristisches Potential brach liegen.

Das weltweite Interesse an dieser einmaligen Bahnstrecke kann ich an den Besucherdaten dieser Website ablesen.
Auch wenn der grösste Teil der täglich über 100 Besucher aus ganz Europa stammt (Schweiz ≈ 33%, übriges Europa ≈ 27%) , umfasst der Anteil von Interessenten aus allen anderen Erdteilen rund einen Drittel.

Das grosse touristische Potential dieser weltberühmten Bergstrecke wurde bisher in Uri völlig verkannt.
Auf Grund dieser Tatsache erstaunt es nicht, dass die Zukunft der Bergstrecke in Uri zur Zeit auch kein öffentlich diskutiertes politisches Thema ist, obwohl sich der Zeitpunkt mit Riesenschritten nähert, an dem sich die Zukunft der Gotthard-Bergstrecke entscheiden wird. (Vorgesehene Eröffnung Basistunnel 2015)

In einem gemeinsamen Communiqué der Volkswirtschaftsdirektion Uri und den SBB vom 3. September 2001 wurde bezüglich der Bergstrecke zwar festgehalten:

Im Zusammenhang mit der Zukunft der Gotthard-Bergstrecke zwischen Erstfeld und Göschenen haben die SBB AG und der Kanton Uri vereinbart, einen gemeinsamen Planungsauftrag zu erarbeiten, welcher die Thematik umfassend analysiert.
Folgende Aspekte sollen dabei beleuchtet werden:

Von einem allfälligen Ergebnis war seither allerdings nichts zu vernehmen.

Ich befürchte sehr, dass auch in dieser Thematik in Uri wiederum „Reagieren“ statt „Agieren“ angesagt ist. Es wird in Uri wohl einmal mehr „Heulen und Zähneknirschen“ sein, wie dies bereits bei einigen Bahn-Entscheidungen in den letzten Jahren der Fall war.
Die Chance aber, etwas im eigenen Sinne gestalten zu können, wird dann auch in diesem Bereich bereits vorbei sein.

Wie sieht eine mögliche Zukunft der Bergstrecke aus?

Von folgenden Fakten ist auszugehen: Der Unterhalt der Bergstrecke in Hinblick auf eine mögliche spätere notwendige Verkehrsentlastung des Basistunnels, würde bei den SBB auf viele Jahre hinaus finanzielle Mittel binden. Das können und werden sich diese aber auf Zusehen hin nicht leisten wollen.
Dass die SBB, nur um eisenbahn-touristisches Potential selber nutzen zu können, die Strecke weiterhin betreiben werden, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Kosten und Nutzen stünden auch hier in keinem annehmbaren Verhältnis.
Zwar hat sich der 59-jährige SBB-Chef Benedikt Weibel im Handelsblatt vom 29. März 2005 dahingehend geäussert, dass „er sich das Projekt Gotthard-Bahn für die Zeit nach seiner Pensionierung vorgenommen habe. Die alte Strecke sei ein Weltkulturerbe, das die SBB nach 2015 vorbehaltlos für Nostalgieverkehr ausnutzen wollten, mit dem sich gutes Geld verdienen lässt.“
Sich allein auf diese eine Aussage einer einzelnen Person zu verlassen, wäre wohl gar zu vermessen.

Was könnte mit der Bergstrecke nach der vollständigen Betriebsaufnahme des Basis-Tunnels geschehen?

Als möglichen Vergleich möchte ich die alte Bahnlinie über den Hauenstein beiziehen. Die Vorgänge dort können zwar nicht direkt auf die Gotthardstrecke übertragen werden, können uns aber helfen, mögliche Vorgänge besser abzuschätzen.
Ich fasse den Ablauf in folgende Schritte zusammen: Für die Gotthard-Bergstrecke ergeben sich daraus folgende mögliche Szenarien: Die oben gemachten Überlegungen sind keineswegs vollständig. Sie mögen auf den ersten Blick auch unrealistisch erscheinen, sind aber durchaus denkbare Lösungen.

Egal, aus welchem Blickwinkel man die Sache betrachtet, eine Tatsache bleibt bestehen:
Es wird für SBB-Infrastruktur keinen zwingenden Grund geben, eine Gebirgsstrecke für viel Geld zu unterhalten, welche weder Ertrag noch Nutzen bringt.

Ein vernünftiger Ertrag ist unter den gegebenen Umständen weder im Personen- noch im Warentransport zu erreichen.
Das Argument einer Notfall-Linie fällt am Gotthard weg, weil die Basislinie in zwei separaten Tunnels geführt wird.

Die Gotthard-Bergstrecke als Weltkulturerbe der UNESCO

Um den Erhalt der Bergstrecke zu sichern, müsste durch externe Gründe dafür gesorgt werden, dass diese weiterhin Bestand haben wird und zu unterhalten ist.

Aus meiner Sicht gäbe es hierfür eine ausgezeichnete Möglichkeit:
Die Bergstrecke der Gotthardbahn muss unter Schutz gestellt werden und das Label „Weltkulturerbe“ der UNESCO erhalten.

Ich bin überzeugt, dass nur auf diesem Wege der Erhalt der Strecke auf Dauer gesichert werden kann.

Österreich hat seine Aufgaben in dieser Hinsicht bereits gemacht und die Bahn über den Semmering unter Schutz stellen lassen.
In Frankreich erwägt man solches für die Bahn über den Mont Cenis.
Die Gotthardbahn wäre dann die nächste Alpenquerende Gebirgsbahn welche in diese Liste aufgenommen und unter Schutz gestellt würde.

Die Bergstrecke der Gotthardbahn verdient diesen Schutz auf jeden Fall. Nicht nur der Bau der Strecke und des grossen Tunnels sind Meisterwerke der Baukunst, welche es zu schützen gilt.
Vor allem auch die geniale Linienführung, verbunden mit einer einmaligen Symbiose von Natur und Technik, welche mit dem Bau der Bergstrecke am Gotthard vollzogen wurde, verdient eine solche Würdigung.

Sollte dieses Unterfangen gelingen, könnte dies auch neue touristische Aktivitäten in Uri auslösen.
Falls das Zentrum für die historischen Maschinen im Depot Erstfeld durch SBB-Historic verwirklicht wird, könnte in Uri, in Zusammenarbeit mit SBB-H, ein wohl nicht unbedeutendes neues touristisches Potential erschlossen werden.

Eines allerdings ist klar: Es eilt, sogar sehr. Dieses Vorhaben benötigt Zeit. Zeit, die man eigentlich bereits nicht mehr hat.

Es wäre deshalb äusserst wichtig, dass die zuständigen Behörden Uris umgehend die entsprechenden Massnahmen einleiten, um die Gotthardbahn in die Liste der UNESCO aufnehmen zu lassen.
Zumindest wäre damit klar die Absicht deklariert, diese phantastische Gebirgsbahn für unsere Nachfahren unter Schutz stellen zu wollen.
Dies würde zumindest vorerst helfen, unwiederbringliche Verluste zu verhindern.
Eine Unter-Schutzstellung sollte dann möglichst bald erreicht werden.

Eines ist für mich klar:
Die Gotthardbahn muss UNESCO-Weltkulturerbe werden.