Die Geschichte der Gotthardbahn

Die Elektrifizierung der Gotthardbahn

Der Direktor der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) Dr. h. c. Emil Huber-Stockar setzte sich von Anfang an für die Elektrifizierung der Vollbahnen ein.

Auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse aus ihrem Versuchsbetrieb Seebach - Wettingen (1904 - 1909), sowie der Betriebserfahrungen auf den bereits elektrifizierten Strecken der BLS (Simplontunnel), schlug die MFO den SBB die Anwendung von einphasigem Wechselstrom von 15'000 V bei 16 2/3 Hz vor.
Am 16. Februar 1916 beschloss der Verwaltungsrat der SBB die Elektrifizierung der Gotthardrampen von Erstfeld bis Bellinzona. 
Die grossen Probleme bei der Kohlenbeschaffung während des ersten Weltkrieges drängten auf eine rasche Verwirklichung der Pläne. 
Da elektrische Triebfahrzeuge bedeutend leistungsfähiger sind als thermische, erwartete man gerade auf der Gotthardstrecke, mit ihren langen und steilen Rampen, eine Erhöhung der Reisegeschwindigkeit.

Die Kraftwerke

Für die Speisung der Gotthardlinie mit Elektrizität wurden vorerst zwei bahneigene Kraftwerke geplant und gebaut.

Im Juli 1920 wurde auf der Südseite des Gotthards das Ritom-Kraftwerk bei Ambri eingeweiht.

Es wird durch das Wasser aus dem gleichnamigen See gespeist. Die Wassermenge dieses natürlichen Sees wurde durch den Bau einer Staumauer erhöht. Dem See wird durch Röhren Wasser aus der weiteren Umgebung zugeführt.
Der Druckleitung entlang führt eine Dienstbahn, welche öffentliche Fahrten durchführt (siehe Fahrplan SBB).
Sie gilt als die steilste Seilbahn der Welt.

Auf der Nordseite nahmen die SBB im Dezember 1922 das Kraftwerk Amsteg in Betrieb.

Es bezieht das Wasser aus dem Stausee am Pfaffensprung unterhalb von Wassen. Hier wurde die Reuss bei einer natürlichen Felsbarriere durch den Einbau einer Staumauer aufgestaut. Über einen Tunnel im Fels wird das Wasser bis auf die Höhe von Amsteg geführt und ergiesst sich dort beim Wasserschloss in die Druckleitungen.

Staumauer des Pfaffensprung-Stausees

Die Staumauer des Pfaffensprung-Stausees bei Wassen im Bau

Amsteg vom Wasserschloss her gesehen

Amsteg vom Wasserschloss her gesehen

Um dem stark anwachsenden Stromverbrauch gewachsen zu sein, beteiligten sich die SBB später an weiteren Kraftwerken, so auch zu 40% am Kraftwerk Göscheneralp.

Im Jahre 1992 fiel der Beschluss, das Kraftwerk in Amsteg durch einen Neubau in einer Felskaverne zu ersetzen und so die Leistungsfähigkeit dieses SBB-eigenen Kraftwerks durch den Einsatz neuester Technologie in Hinblick auf die NEAT zu steigern.
Dieses Kraftwerk wurde im Jahre 2000 in Betrieb genommen.

In den Kraftwerken wird die Spannung von 15 kV auf 66 kV transformiert und mit eigenen Übertragungsleitungen den Unterwerken Göschenen und Steinen auf der Nordseite und Giornico, Giubiasco und Melide im Süden zugeführt.
Dort wird die Spannung wieder auf 15'000 V transformiert und in die Fahrleitung eingespeist.
Unterwerk Giornico

Oben:  Das Unterwerk auf der Südseite in Giornico

Links:  SBB-Übertragungsleitung 66 kV bei Seewen

Die Elektrifizierung

Die Arbeiten an der Elektrifizierung der Bergstrecke wurden forciert.
Sie gingen planmässig voran, so dass am 12. Dezember 1920 der Abschnitt Erstfeld - Biasca eröffnet werden konnte.

Bau der Fahrleitung

Bau der Fahrleitung auf der Zufahrtsstrecke zum Gotthard, am Axentunnel

Bis zum 29. Mai 1921 wurde auf der Bergstrecke nur mit der halben Spannung von 7500 V gefahren. Da der ordentliche Fahrbetrieb nach wie vor mit den Dampfmaschinen abgewickelt wurde, hatte man sich zu dieser Massnahme entschlossen, um Überschläge an verrussten Isolatoren zu vermeiden.
Einzig für die Fahrten durch den Gotthardtunnel, wurden den Zügen ab sofort in Göschenen und Airolo elektrische Vorspannlokomotiven beigestellt.

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