Die Geschichte der Gotthardbahn

Die Güterwagen

Die Entwicklung des Güterwagenparks der Gotthardbahn zeigte keine nennenswerten Abweichungen gegenüber derjenigen der übrigen Schweizerbahnen oder des Auslandes.
Um den gegenseitigen Wagenaustausch zu erleichtern, wurden zum Warentransport vorwiegend "Normal-Güterwagen" beschafft.

Ein wichtiger Aspekt für die Gotthardbahn als Gebirgsbahn wäre die technische Entwicklung der Druckluft-Bremsen bei Güterzügen gewesen.
Entsprechende Versuche wurden von der GB allerdings nur im Bereiche der Personenwagen gemacht.

Ab 1888 wurden die meisten Lokomotiven, sämtliche Personen- und Gepäckwagen sowie auch 451 Güterwagen mit der Westinghouse-Doppelbremse ausgerüstet. Bei den dabei umgerüsteten Güterwagen handelte es sich aber nur um solche, welche in Reisezügen verkehrten.

Für lange Güterzüge war es erst in den Jahren 1930 - 1935 soweit, dass auf Grund internationaler Beschlüsse die automatische Druckluftbremse eingeführt wurde.
Voraussetzung für die Verwendung der Druckluftbremse bei Güterzügen war die Entwicklung neuer Steuerventile, welche durch Nachspeisen aus der gleichen Luftleitung ein Erschöpfen verhindern und gleichzeitig ein gutes Regulieren der Bremskraft ermöglichen.

Der Wagenpark der Gotthardbahn

Den Grundstock des Güter-Wagenparks bildeten die Wagen der Tessinischen Talbahnen aus den Jahren 1874/75.

Bis zur Übergabe an die SBB war schliesslich die stattliche Zahl von 1724 eigenen und 23 Privatwagen bei der Gotthardbahn-Gesellschaft vorhanden.

Kv-2001 Die gedeckten Bauarten für gewöhnliche Güter und Sammelgüter erhielten anfänglich die Bezeichnung G, K oder O.
Später nur noch die Bezeichnung K.
GRC1-3506 ks-3501
L_4046 Die offenen Hochbord- Wagen mit der Bezeichnung L dienten teilweise für den Transport von Kohle.
M-5019 Die Flachwagen erhielten die Typenbezeichnung M und dienten zum Transport von Steinen oder von Heu und Stroh.
Og-3901 Der verhältnismässig kleine Park an Sonderwagen setzte sich zusammen aus:
7 Bierwagen Og, sowie
6 Geflügel-Wagen Og.
N-6020 Hinzu kamen 20 N-Wagen für Langholz.
 
Vorhanden waren auch einige Privatwagen. Sie erhielten die Bezeichnung P.
 
Die Wagen für den Transport des Leuchtgases für die Beleuchtung erhielten die Bezeichnung Mg.

Die meisten Wagen besassen in der Anfangszeit keine geschlossene Plattformen oder über das Dach ragende Bremserhütten.
Für die Bremser waren lediglich Plattformen oder kleine Sitze oder Hochsitze vorhanden.

Zusammenstellung des Güter-Wagenparks
für das erste durchgehende Betriebsjahr 1883:
Serie Anzahl Bezeichnung Nummern
Ks 20 gedeckte Sammelgüterwagen 3501 – 3520
Kv 245 gedeckte Vieh- und Güterwagen 2001 – 2245
K 73 gedeckte Güterwagen 3001 – 3073
K 2 Hülfswagen 3074 – 3075
L 45 offene Güterwagen 4001 – 4045
L 105 offene Güterwagen 4046 – 4150
L 50 Kohlenwagen 4501 – 4550
M 18 Steintransportwagen 5001 – 5018
M 28 Steintransportwagen 5019 – 5047
M 5 Steintransportwagen 5501 – 5505
Mg 1 Gaswagen 5506
N 8 Langholzwagen 6001 – 6008
N 12 Langholzwagen 6009 – 6020
S 65 Kiestransportwagen 6201 – 6265

Die Gotthardbahn benutzte vorerst ein eigenes Bezeichnungs- und Nummerierungssystem.
Nachdem das für sämtliche Schweizer Bahnen verbindliche Bezeichnungssystems eingeführt wurde, stellte auch die Gotthardbahn auf das neue System um.

Die gedeckten Bauarten erhielten die Bezeichnung J für gewöhnliche Güter und Sammelgüter, sowie K für die Zulässigkeit von Viehtransporten.
Teilweise erhielten sie zusätzliche hochgestellte Indices für die Grössenverhältnisse und das Vorhandensein der Druckluftbremse bei Eilgutwagen für Reisezüge: Die offenen Wagen mit Hochborden erhielten neu die Bezeichnung L.

Eine Ausnahme bildeten 148 L5, die nur 12,5 t aufnehmen konnten, dafür aber eine grosse Ladefläche anboten.

Die Flachwagen mit der Typenbezeichnung M erhielten die folgenden Indices: Der verhältnismässig kleine Park an Sonderwagen setzte sich zusammen aus:

Davon gehörten 6 Wagen der Bierbrauerei "Spiess AG" in Luzern und 17 Kesselwagen der "Societa italiana-americana del petrolio" in Venedig.

Die Dienstwagen erhielten die Bezeichnung S.
Dazu gehörten die Wagen für den Materialtransport (Schotter) aber auch die Krane, die Schneepflüge und später die Dampfschneeschleuder (Rotary).

Von den insgesamt 715 Güter-Wagen besassen nur deren 412 eine geschlossene Plattform oder eine über das Dach ragende Bremserhütte.
Wahrlich kein Luxus, wenn man bedenkt, dass die Güterzüge bei jeder Witterung bis in die Jahre 1930-1935 von Hand gebremst werden mussten. Bilder mit Aufnahmen von Güterzügen aus der Dampfzeit sind selten, waren sie doch lange nicht so attraktiv und werbewirksam, wie der Gotthard-Express.
Güterzug in Flüelen
Ein Personenzug durchfährt den Bahnhof Flüelen. Ein Güterzug ist auf Geleise 3 abgestellt. Es steht noch das erste Bahnhofs-Gebäude.
Daten- und Bestandes-Listen der Güterwagen sind in der Rubrik "Daten" zu finden