Die Geschichte der Gotthardbahn

Die Ideen einer Alpenbahn
in der Schweiz

Der Gedanke, eine Eisenbahn über die Alpen zu führen, ist so alt, wie die Eisenbahnen in der Schweiz überhaupt. 
Er tauchte erstmals bereits in den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts auf.
Im März 1836 bestellte die Zürcher Handelskammer eine Kommission für Eisenbahnbau.
Diese sollte die Realisierungsmöglichkeit einer Bahnlinie Basel – Zürich – Bodensee prüfen.

Der von den Zürchern zu Rate gezogene Ingenieur Alois von Negrelli änderte das Projekt ab und schlug eine Linienführung Basel – Zürich – Sargans – Chur – Splügen – Italien vor.

Obwohl dieses erste Eisenbahnprojekt kläglich scheiterte, verfolgte Zürich seine Pläne einer Alpenüberschreitung am Splügen weiter.

Als am 9. November desselben Jahres beide Basel erklärten, für sie käme nur eine Alpenüberquerung am Gotthard, mit einer Zufahrt über den Hauenstein, in Frage, begann der grosse Wettstreit der Alpenbahn-Projekte zwischen der Ost- und der Zentralschweiz.

In der ersten Hälfte der 50er Jahre gewann das Projekt einer Gotthardbahn ernstere Gestalt.
Unter Führung der inzwischen in Basel gegründeten Centralbahn (CB) und reger Teilnahme der beteiligten Kantone bildete sich ein Komitee, welches energisch weitere Studien vorantrieb.
So liess es Karten der fraglichen Gebiete im Massstab 1:10’000 mit einer Äquidistanz der Höhenkurven von 10 m herstellen.

Pa<quale Lucchini
Gestützt auf diese Karten projektierten auf der Nordseite der Urner Kantonsingenieur Landammann Carl Emanuel Müller und auf der Südseite sein Amtskollege Pasquale Lucchini die Zufahrtslinien zum Gotthard, wobei Müller 1868 zum ersten Mal einen Scheiteltunnel Göschenen – Airolo anregte und dessen Vorteile darlegte. Seine Überlegungen wurden veröffentlicht in einer Broschüre unter dem Titel:

Zur Alpenbahnfrage
Ob tiefe Linie mit langem Tunnel
oder hohe Linie mit kurzem, beziehungsweise ohne Tunnel?

1862 setzte Kaspar Wetli diese Studien fort und legte ein erstes Generalprojekt einer Gotthardbahn vor.

Als im Jahre 1863 die zürcherische Nordostbahn (NOB) unter ihrem Präsidenten Alfred Escher ihre Pläne einer Splügenbahn aufgab und am 7. August an der ersten Gotthardkonferenz teilnahm, bedeutete dies den Todesstoss für alle Alpenbahnprojekte der Ostschweiz.

Im Auftrage des Gotthard-Komitees arbeiteten 1860 die Herren Anton Beckh und Robert Gerwig auf Grund der früheren Studien ein neues Projekt aus (Expertenprojekt), dessen Baukostenvoranschlag und Rentabilitätsberechnung die Grundlagen für das weitere Vorgehen bildeten.
Anlässlich der Internationalen Konferenz der Eidgenossenschaft mit dem Norddeutschen Bund, dem Königreich Württemberg, dem Grossherzogtum Baden und dem Königreich Italien wurde dieses Projekt samt Kostenberechnung nochmals einer Überprüfung unterworfen.
Im daraus resultierenden Staatsvertrag wurden die definitive Linienführung, sowie wichtige eisenbahntechnische Aspekte festgehalten:

Es wurde folgendes Streckennetz vorgesehen:

Streckenkarte
nördliche Talbahnen: Luzern – Arth-Goldau
Zug – Arth-Goldau
nördliche Zufahrtslinie: Arth-Goldau – Erstfeld
Bergstrecke: Erstfeld – Biasca
südliche Zufahrtslinie: Biasca – Bellinzona
südliche Talbahnen: Bellinzona – Locarno
Bellinzona – Chiasso
Bellinzona – Luino

Weiter wurde ebenfalls festgelegt, dass der Tunnel von Göschenen nach Airolo fester Bestandteil der Planung sein müsse.
Ferner wurde beschlossen, dass das ganze Streckennetz zweispurig zu erstellen sei.

Nach der Ratifizierung des Staatsvertrages im Jahre 1871 durch Italien und das inzwischen gegründete Deutsche Reich, stand der Gründung einer Gotthardbahn-Gesellschaft (GB) nichts mehr im Wege.